Donnerstag, 21. Mai 2020:Textimpuls von Monsignore Bernhard Auel

Der Himmel geht über allen auf …
Der Himmel geht über allen auf...
Der Himmel geht über allen auf...
21. Mai 2020
Monsignore Bernhard Auel

Die Apostel standen da und schauten empor zum Himmel. Schauen wir also zum Himmel. Warum eigentlich? Ich erinnere mich an eine Begegnung vor vielen Jahren in den Alpen. Ich fragte den Bauern auf der Alm, ob das Wetter eine Bergwanderung zulasse. Er schaute in die Berge, zum Himmel, dann gab er seine Prognose. Am Spiel der Wolken und den Schatten in den Felsen konnte er ablesen, wie sich das Wetter entwickelt. Darauf war Verlass. Aber hat diese Fähigkeit des erfahrenen Bauern etwas zu tun mit dem, was wir den Himmel nennen? Finden wir so einen Zugang zum heutigen Fest?

Papst Franziskus macht kritisch deutlich, zum Beispiel in seinem apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“, dass unsere Sprache oft nicht mehr verstanden wird. Er schreibt: „Wir müssen demütig und realistisch anerkennen, dass unsere Weise, die christlichen Überzeugungen zu vermitteln, und die Art, die Menschen zu behandeln, manchmal dazu beigetragen haben, das zu provozieren, was wir heute beklagen.“

Welche Empfehlung nehmen wir denn nun aus diesem Fest der Himmelfahrt Christi mit? Ich für mein Teil bin bei der Lesung aus der Apostelgeschichte hängen geblieben bei folgendem Satz: „Während sie unverwandt Jesus nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“

Wo schauen wir eigentlich hin, wenn wir von Gott sprechen, wenn wir unseren Glauben an Jesus Christus bekennen? Schauen wir in den Himmel, weg aus unserer Welt in eine andere Welt. Oder lassen wir uns von dem ansprechen, was den Aposteln gesagt wird? Schauen wir hinein in unsere Welt, dorthin, wo die Menschen sind, wo wir ihnen begegnen!

Papst Franziskus macht uns unmissverständlich klar, wohin unser Blick gehen soll. Vielleicht ist ja das ein Blick genau in die richtige Richtung, was er genau vor fünf Jahren in seiner Enzyklika „Laudato Si“ geschrieben hat: „Der Schöpfer verlässt uns nicht, niemals macht er in seinem Plan der Liebe einen Rückzieher, noch reut es ihn, uns erschaffen zu haben“. Ja, Jesus ist nicht weit fort von uns in einer anderen Welt, er ist mitten unter uns, freilich oft unerkannt. Papst Franziskus hat es einmal so gesagt: „Die Himmelfahrt zeigt nicht die Abwesenheit Jesu an, sondern sie sagt uns, dass er auf neue Weise unter uns lebendig ist; er ist … in jedem Raum und in jeder Zeit gegenwärtig, einem jeden von uns nahe. In unserem Leben sind wir nie allein.“

Genau in diesem Sinn lehrt uns der tschechische  Theologe Tomáš Halík Entscheidendes im Blick auf die Himmelfahrt Jesu, wenn er schreibt: „Ein Gebet ist kein Phantasieflug in den Himmel und keine Flucht in das Jenseits unserer Wünsche, im Gegenteil: Es wendet unseren Blick auf die Erde zurück, immer dann, wenn wir verträumt und passiv in den Himmel unserer Vorstellungen, Projektionen, Träume und Utopien schauen wollen - genauso wie am Tag der Himmelfahrt, als eine himmlische Stimme die Jünger des Herrn mahnte: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieselbe Stimme befreit uns von allen frommen Ausflüchten, sie lehrt uns, fest auf der Erde zu stehen, der Erde treu zu sein, sich bewusst zu werden, dass der Boden, auf dem wir stehen, heiliger Boden ist.“

Dafür seien sie die Zeugen, sagt Jesus - damals den Aposteln - heute sagt er dies zu uns: „Ihr seid Zeugen dafür.“ Bekennen wir also: „Ich will dich preisen, Herr, unter den Völkern, dir vor den Nationen spielen. Denn deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue, so weit die Wolken ziehn. Erhebe dich über den Himmel, Gott! Deine Herrlichkeit sei über der ganzen Erde!“ (Ps. 57,10-12).