Dienstag, 21. April:Textimpuls von Monsignore Bernhard Auel

Ein Herz und eine Seele
20200421_Auel
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Datum:
21. Apr. 2020
Von:
Monsignore Bernhard Auel

So hören wir heute am Dienstag der 2. Osterwoche in der Lesung (Apg 4,32-37). Es geht nicht um das „Ekel Alfred“ in der Filmserie „Ein Herz und eine Seele“. Hier ist vielmehr Solidarität und Hilfsbereitschaft angesprochen. Dass dies nicht selbstverständlich ist, dass der Glaube immer auch neuen Zuspruch und Erklärung braucht, das muss sich im Gespräch mit Jesus auch Nikodemus sagen lassen, wie wir dem Evangelium (Joh 3,7-15) entnehmen können.

Was kann uns die Lesung heute sagen? Eintracht des Herzens und der Seele fand ihren Aus-druck im selbstlosen Verzicht auf allen, persönlichen Besitz, wenn die Not des andern es forderte. Es war ein freiwilliger, von keinem Gesetz und keinem Zwang befohlener Verzicht. Mit Bedacht heißt es darum auch wohl: „Nicht ein einziger nannte etwas von dem, was er besaß, sein eigen, sondern es gehörte ihnen alles gemeinsam.“ Es blieb Recht und Möglichkeit privaten Besitzes, doch stärker als alles Recht und Gesetz war die Bereitschaft, darauf zu verzichten. Und dieser Verzicht floss aus dem Ergriffensein von dem höheren Gut des Glaubens und der Hoffnung im Herrn.
Der innere Beweggrund zur besonderen Hingabe von Hab und Gut, zum Verkauf von Grund-stücken und Häusern deutet sich an mit dem wie es scheint eingeschobenen Satz: „Mit großer Macht gaben die Apostel Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus, und reiche Gnade war auf ihnen allen.“ Das Wort von der Auferstehung Jesu steht als das Grundthema der apostolischen Verkündigung im Text. Nicht oft genug kann die Apostelgeschichte davon reden. Es muss wirklich ein bewegender Eindruck gewesen sein, wenn die Apostel als Zeugen der Auferstehung vor die Menschen traten und ihr Zeugnis durch Zeichen und Wunder von Gott selbst bekräftigt wurde. Da verblassten die äußeren Werte, und aus dem Wissen um das Gegenwärtigsein des Herrn wuchs die verzichtende Liebe im Dienste des andern.
Wo ist Gott? So fragen heute viele. Wie die Lesung aus der Apostelgeschichte heute konkretisiert wird, sagte am Karfreitag Bischof Kohlgraf von Mainz in seiner Predigt so: „Gott kommt durch Menschen ins Spiel, die sich bewusst für andere einsetzen. Dass Menschen sich geben für andere, scheint mir einer der größten Gottesbeweise zu sein, die wir haben. Auch wir kommen ins Spiel, unser Gebet und unsere konkrete Hilfe, die wir leisten können. In den letzten Wochen haben wir herausragende Beispiele menschlicher Hingabe gesehen. Damit sind auch die alltäglichen Beispiele gemeint, wo Menschen ihre Arbeit tun, und sich dabei selbst in Gefahr bringen. Sie tun es vielleicht gar nicht so sehr aus einer bewusst christlichen Haltung heraus, sondern aus dem Gefühl, gebraucht zu werden“.
Abschließend dazu möchte ich aus einem Schreiben meines Namenspatrons, des heiligen Bernhard von Clairvaux zitieren, das er an einen Benediktinerabt gesandt hatte. Er bezieht sich auf die Apostel und die ersten Gemeinden und schreibt: „Da keiner unter ihnen etwas als sein Eigentum behielt, „wurde“, wie geschrieben steht, „jedem so viel zugeteilt, wie er nötig hatte“, also nicht, wonach jeder seine kindische Lust haben konnte. Zweifellos wurde dort, wo man nur das Nötige erhielt, nichts Überflüssiges zugeteilt, geschweige etwas für die Neu-gierde, etwas für die Eitelkeit. „Was nötig war“, heißt es. Ich glaube nicht, dass man sich dort viele Gedanken gemacht hat um den Wert, die Farbe und den Aufputz der Kleidung, wo ein so unermüdlicher Eifer um die Eintracht der Sitten, die Übereinstimmung der Herzen und den Fortschritt in der Tugend herrschte. „Die Gemeinde der Gläubigen“, heißt es, „war ein Herz und eine Seele.“
Vielleicht ist dies eine Anregung, mit dieser Lesung darüber nachzudenken, was wirklich notwendig ist und wie ich mit etwas mehr Bescheidenheit und Verzicht auch anderen helfen kann, diese schwierige Zeit zu überstehen.