Zukunft der Familienbildungsstätten: Rat muss Beschluss korrigieren:Stadtdechant begrüßt erste Signale aus der Stadt 

Bonns Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken sieht in der Streichung der kommunalen Mittel für die Familienbildungsstätten weiterhin eine politische Fehlentscheidung. Der Beschluss könnte das Aus für die drei Häuser bedeuten
Datum:
16. Juli 2021
Von:
Ayla Jacob

Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken begrüßt erste Signale aus der Stadt, eine Einigung in der Diskussion um den Fortbestand der drei Familienbildungsstätten erzielen zu wollen. Nach Gesprächen mit politischen Vertretern will sich unter anderem das Jugendamt Ende August mit den Leiterinnen der drei Häuser zusammensetzen. Dennoch aber bleibe es eine Fehlentscheidung der Ratskoalition, die kommunalen Fördermittel für die Familienbildungsstätten auslaufen zu lassen. „Durch diesen Beschluss wird die Existenz der Familienbildungsstätten nachhaltig infrage gestellt, zumal sie durch die Pandemie auch wirtschaftlich schwer getroffen sind“, so Picken. Keine Partei, kein Politiker könne wollen, „dass diese Einrichtungen von der Bildfläche verschwinden. Um so etwas zu vermeiden, redet man unter Partnern erst miteinander.“

Dass sich die Ratskoalition – bestehend aus Grünen, SPD, Linken und Volt - dabei hinter einem Beschluss von 2017 verschanze, als habe es die Pandemie nicht gegeben, sei vollständig unangemessen. Man erwarte von der Politik im Interesse ihrer Akzeptanz eine Bezugnahme auf aktuelle Situationen und Notlagen, heißt es in einem Brief des Stadtdechanten an die SPD Fraktion.

Die Träger der Familienbildungsstätten seien wie die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses von der Ratsentscheidung vollständig überrascht worden, weil ein Änderungsantrag der FDP die Zuschüsse weiter sichern wollte und dieser in allen beteiligten Fachausschüssen mit Zustimmung der Koalition verabschiedet worden sei.

Fatale Ratsentscheidung

Die Ratsentscheidung sei fatal, da die „Familien gerade auch in Pandemiezeiten eindeutig zusätzliche Unterstützung brauchten“. Hier leisteten die Familienbildungsstätten unersetzliche Arbeit. Sie sicherten Zugang zu digitaler Bildung und Spracherwerb; viele Programmpunkte seien auf Inklusion, seelische und körperliche Gesundheit sowie die Bewältigung von Krisen ausgerichtet. „In den Zentren kommen jährlich tausende Familien zusammen, vernetzen und unterstützen sich“, so Picken. Besonders die Nachfrage aus so genannten benachteiligten Bevölkerungsgruppen sei hoch. „Wer Familien helfen will, kann in Zeiten der Pandemie und der extremen Belastung von Familien nicht ernsthaft Zuschüsse ausgerechnet für die Familienbildungsstätten streichen und dies beschließen“, findet der Stadtdechant klare Wort. Auch bleibe es unverständlich, wie man eine solche Idee kurzfristig in eine Ratssitzung einbringen könne.

„Familienpolitik verträgt jetzt kein langes auf die Bank schieben, sondern kurzfristiges Handeln“, so Picken. Vielleicht sei es möglich, in der Verwaltung Kosten einzusparen und das Geld den Familien zugute kommen zu lassen. „Die Kirchen jedenfalls sind für Gespräche offen und erwarteten Bewegung von den Regierungsparteien.“