Zum Inhalt springen

Totenvesper und Requiem:Rund 1000 Trauergäste nahmen Abschied von Stadtdechant und Münsterpfarrer Dr. Wolfgang Picken (†)

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki stand der Hl. Messe am Samstag, 03.02.2024, als Hauptzelebrant vor – die Predigt hielt Pfarrer Dr. Ludger Winner – ein Onkel des Verstorbenen
Datum:
3. Feb. 2024
Von:
Stefan Schultz
Pfarrer Dr. Ludger Winner

Es war eine ergreifende, würdevolle und festliche Trauerfeier, mit der die Familie, Mitbrüder, enge Weggefährten, Mitarbeiter und Freunde von Stadtdechant und Münsterpfarrer Dr. Wolfgang Picken Abschied genommen haben. Dr. Wolfgang Picken war am 27. Januar 2024 nach kurzer, schwer Krankheit im Alter von 56 Jahren verstorben. 

Rund tausend Trauergäste – darunter Oberbürgermeisterin Katja Dörner, Polizeipräsident Frank Hoever, Uni-Rektor Prof. Dr. Michael Hoch sowie konstant 2300 Menschen an den Bildschirmen des Livestreams nahmen am Samstag, 03.02.2024, Abschied von Dr. Wolfgang Picken.

Bewegende Totenvesper

Bereits am Freitag in der Totenvesper gedachte Pfarrer Dirk Baumhof seinem Freund und Wegbegleiter in gut 30 Jahren. „In den zurückliegenden dreißig Jahren deines priesterlichen Dienstes hast Du unzählige Male uns und den anderen zu denen du gesandt warst, die Frohe Botschaft verkündet, in der Predigt ausgelegt und durch dein Leben bezeugt.  Wir alle haben – in unterschiedlicher Weise – teil gehabt an deinem Leben und an deinem priesterlichen Wirken, wir kennen es“, so Pfarrer Baumhof in seiner Predigt und endete mit den Sätzen: „In dieser Gewissheit hast du auch in der vergangenen Woche Deinen irdischen Lebensweg vollendet. Das hast du ausgestrahlt und auch formuliert. Und wir durften erleben, dass du in Dankbarkeit und Vertrauen, mit einem inneren Frieden den Weg aus dieser Welt auf den zugehen konntest, den wir in der Apsis sehen, den wiederkommenden Christus. Ein großes Zeugnis des Glaubens für mich – für uns.

So bist du nun – wie es Simeon sagte – in Frieden aus dieser Welt geschieden und darfst jetzt das Heil – Gott selbst schauen. Dir, lieber Wolfgang, sage ich stellvertretend für ganz ganz viele aber vor allem persönlich jetzt an diesem Abend: für alles Dank und A Dieu.“ 

Beisetzung in der Gruft der Münsterpfarrer

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki stand der Hl. Messe am Samstag, 03.02.2024, als Hauptzelebrant vor – die Predigt hielt Pfarrer Dr. Ludger Winner – ein Onkel des Verstorbenen. Dieser fand herzliche Worte: „Manche Menschen vermögen es, uns das Herz zu öffnen. Mehr noch, sie können uns gewinnen. Allerdings, wenn dies nachhaltig sein soll, müssen sie eine Weite eröffnen, die uns aufatmen lässt, die uns eine Welt erschließt, die größer ist, als alles. (…) Dr. Wolfgang Picken war ein solcher Mensch“, so Pfarrer Winner und betonte, dass man bei Wolfgang Picken immer spürte, dass er für Jesus Christus brannte.

Winner erinnerte sich an eine Zeit der Generalsanierung. Gemeinsam stand er mit seinem Neffen auf dem Gerüst genau vor dem Mosaikbild des Pantokrators und Pickens Worte waren: „Nur wenn unser Blick immer auf Christus gerichtet ist, Auge in Auge mit ihm, können wir die Freude des Glaubens bewahren und an das Ziel unseres Weges gelangen.“

Pfarrer Winner beschrieb den Verstorbenen als vielseitig gebildet, mit zupackender Sprache und ein Mensch, der sich nie in Belanglosigkeiten verlor. Jemand, der sich nie einfach anpasste. Auch nicht, wenn er dafür öffentliche Kritik erhielt, die nicht selten auf schwachen Füßen stand, „weil er seinen Standpunkt differenziert genug begründet hatte“.

„Es bleiben erkennbare Zeichen seiner Entschiedenheit für eine geistliche Erneuerung der Kirche, der seine Liebe galt“, so Winner gegen Ende seiner Predigt. 

Nach dem Requiem wurde Stadtdechant und Münsterpfarrer Dr. Wolfgang Picken in der Gruft der Münsterpfarrer im Kreuzgang der Basilika beigesetzt. 

Münster-Musik mit Höchstleistungen

Die musikalische Gestaltung lag wie immer in den bewährten Händen von Regional- und Münsterkantor Markus Karas. Die Münstergemeinde St. Martin und das Bonner Stadtdekanat dankt allen Beteiligten für ihren wundervollen Einsatz. Darunter der Münsterchor, der Chorus Cantate Domino und die Münsterschola unter der Leitung von Sylvia Dörnemann, die schon die Totenvesper am Freitag musikalisch gestaltet hatte. Chorgäste waren die Chorgemeinschaft St. Marien der KG St. Petrus, den Elisabeth- bzw. Nikolauschor aus der Bonner Südstadt und Kessenich sowie Sängerinnen und Sänger aus Bad Godesberg. Weiterer Dank gilt den Münsterorganisten Thiemo Dahmen und Christoph Sötsch, dem Klarinettisten Thomas Meyer, Peter Büscher und Andreas Berger an der Trompete, dem Hornisten Leo Zimmer und Marcus Kanzler an der Tuba. Peter Materna improvisierte klangvoll am Saxophon und Martin Fischer begeisterte mit seinem Dudelsackspiel. Der Dank der Trauergemeinde ist ihnen sicher.

Geistliches Wort von Stadtdechant und Münsterpfarrer Dr. Wolfgang Picken

Persönliche Worte anlässlich meines Todes

Liebe Brüder und Schwestern im Stadtdekanat Bonn, 
in der Münstergemeinde und der Kirchengemeinde St. Petrus 
und in meinen früheren Gemeinden in Bad Godesberg, 
besonders dem Rheinviertel, 
liebe Wegbegleiter, Freunde und Familienangehörige,

„Es gibt für alles eine Zeit". Für mich war die Zeit gekommen, von diesem Leben Abschied zu nehmen und damit das Ziel meiner Pilgerreise zu erreichen. Ich vertraue fest auf Gottes Liebe und darauf, dass ich mit dem Tod bei ihm bleibend Heimat finden darf. Dieser österliche Glaube hebt mein Gemüt und darf Ihnen allen angesichts der Vergänglichkeit des Lebens vielleicht auch Trost sein.

Ich war sehr gerne mit ihnen allen gemeinsam auf dem Weg. Deshalb möchte ich Ihnen von Herzen für das Miteinander im Glauben und die Weggemeinschaft danken. Auch danke ich den vielen, die mich mit Worten der Herzlichkeit und liebender Aufmerksamkeit, mit ihrem Glaubenszeugnis und ihrem Gebet begleitet haben. Das hat mir gutgetan und mich sehr getragen.

Ein Dank gilt den Mitbrüdern und Mitseelsorgerinnen, den wunderbaren Mitarbeitenden und den zahllosen engagierten Ehrenamtlichen, ohne die mein Dienst ohne Kraft und Wirkung geblieben wäre. Ob in den Jahren in Godesberg oder jetzt an der Münsterbasilika und für die ganze Stadt Bonn: Wir haben viel bewegen dürfen! Das war mir immer Zeichen für eine Kirche, die auch heute noch Ausstrahlung entfalten kann. Vielleicht darf Ihnen das eine Ermutigung für die Zukunft sein. Wenn wir uns auf die gemeinsame Mitte, Jesus Christus, konzentrieren und seiner Zusage: ,,Ich werde bei euch sein alle Tage eures Lebens" vertrauen, wenn wir unseren liebevollen Blick auf die Menschen richten und uns fragen, was sie brauchen, wenn wir nach Antworten suchen und als Gemeinschaft handeln, können wir sehr unmittelbar erleben, wie Gottes Geist Kirche und Welt verwandelt.

Dank sagen ich möchte ich schließlich den Freunden und Familienangehörigen von deren Fürsorge und Liebe ich mich Immer umgeben wusste. Ich war davon reich beschenkt und habe In dieser Zuwendung immer auch Gottes Handeln in meinem Leben zu erkennen geglaubt.

.Alles kommt zu seiner Zeit." Was manchem wie ein verfrühter Tod erscheinen mag, ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem manches zu einem guten Abschluss kommen konnte und viele Ziele erreicht sind. Die Generalsanierung des Bonner Münsters ist abgeschlossen und die Basilika erstrahlt in neuem Glanz. Die meisten pastoralen Impulse und Ideen, die in den letzten Jahren entwickelt worden sind, konnten gut auf den Weg gebracht werden. Die Gottesdienste erfreuen sich eines wachsenden Zuspruchs. Zusätzliche Veranstaltungsformate in der Basilika treffen auf große Resonanz. Das Jugendpastorale Zentrum, das Caritasportal und der „Room of one" haben ihre Tätigkeit aufgenommen. Münstergemeinde und Stadtkirche entwickeln sich erfreulich zu einem geistlichen Zentrum Bonns. Sie scheinen gut auf die Zukunft vorbereitet. Dass ich jetzt loslassen soll, wirkt deshalb fast wie gefügt. Es gibt nun viele Anknüpfungspunkte, um Begonnenes weiterzuführen, Bestehendes zu verändern und Neues zu entwickeln. Ich bin mir sicher, dass das geschehen wird und eine gute Entwicklung nimmt, denn ich weiß, wie sehr Sie hier vor Ort den Glauben mit Überzeugung und Liebe leben. Schließlich gehe ich fest davon aus, dass Gott mit seiner Kirche am Bonner Münster und in der Stadt Bonn noch viel vorhat. Ich wünsche mir schon jetzt, dass ein Nachfolger diese Aufgabe mit Tatkraft und Zuversicht annehmen und dabei von den Mitarbeitenden und Gläubigen so unterstützt werden wird, wie ich es erfahren durfte.

Der Abschied kommt zudem, nachdem ich in großer Dankbarkeit zunächst in Bad Godesberg auf fünfundzwanzig Jahre und dann in Bonn auf dreißig Jahre meines priesterlichen Lebens zurückblicken konnte. Es hat mich sehr bewegt, auf diese erfüllte Zeit zu sehen. So viele Begegnungen, so viele Entdeckungen und Ereignisse, so viele Wendungen und Aufbrüche. So viel Herzlichkeit und Anteilnahme. So oft gespürte Nähe Gottes! Ich habe mich nach dem dreißigsten Weihejubiläum gefragt, ob man noch mehr von seinem Leben erwarten darf. Sicherlich hätte ich mir vorstellen können, diesen Weg fortzusetzen. Ich war so gerne als Priester für Christus und für die Menschen tätig. Es hat mir Freude gemacht, das Leben der anderen in allen seinen Facetten zu begleiten und mich für das Wort Gottes einzusetzen: "verkünde das Wort, tritt dafür ein, sei es gelegen oder ungelegen".

Ganz beseelt hat mich der Gedanke, den christlichen Glauben und die Kirche in den Dialog mit der heutigen Gesellschaft zu bringen. Wie ergreifend war es, Gottesdienste zu feiern und Sakramente zu spenden. Wenn ich jetzt gehe, geschieht dies im Gefühl der Dankbarkeit und der Zufriedenheit, weil ich auf ein erfülltes Leben zurückblicken darf. Gott hat es gut mit mir gemeint.
Das schließt ein, dass mein Leben unvollkommen war und ich Fehler gemacht habe. Ich habe Menschen missverstanden und Wichtiges nicht gesehen oder gehört. Ich habe enttäuscht und verletzt. Manche meiner Worte waren zu hart und manche Idee zu schnell. Es ist nicht möglich, das ungeschehen sein zu lassen.

Aber ich möchte alle, denen ich nicht gerecht geworden bin und die ich belastet habe, aufrichtig um Verzeihung bitten. 
Ich gehe und ein anderer bleibt! So vertraue ich darauf, dass Sie und Ihr alle in Glaube, Hoffnung und liebe den eigenen Weg fortsetzt und dabei von Gottes Schutz begleitet seid. Ich habe keine Zweifel daran, dass Er bei seiner Kirche ist und dafür sorgen wird, dass sie die Herausforderungen der Zeit besteht Nur Mut! Wir bleiben weiterhin in liebe verbunden, im Gebet und in der Feier der Eucharistie, bis die Zeit für ein Wiedersehen bei Gott gekommen sein wird. Es gibt für alle eine Zeit!: A Dieu !

Bonn im November 2023 
Wolfgang Picken 
Stadtdechant von Bonn 
Pfarrer der Münsterbasilika St. Martin 
Pfarrer der Kirchengemeinde St. Petrus

Bildgalerie zu den Exequien und der Beisetzung von Stadtdechant und Münsterpfarrer Dr. Wolfgang Picken

44 Bilder

Fotos: Stadtdekanat Bonn/Westhoff