Der Podcast des Stadtdechanten:Millionenfaches Leid der Kinder

In seinem Podcast äußerte sich Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken am 28. Dezember zum Fest der unschuldigen Kinder. Hinsehen und handeln - so sein eindringlicher Appell.
Der Podcast des Stadtdechanten
Der Podcast des Stadtdechanten
Datum:
28. Dez. 2020
Von:
Ayla Jacob

Wenige Tage nach Weihnachten, am 28. Dezember, begeht die Kirche das Fest der unschuldigen Kinder. Dabei wird an den Kindermord erinnert, dem die Heilige Familie nur durch die Flucht nach Ägypten entkommen konnte: an den - historisch nicht nachgewiesenen - Kindermord des Herodes an allen Knaben unter zwei Jahren. Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken nimmt das zum Anlass, in seinem Podcast auf das millionenfache Leid der Kinder hinzuweisen. Hinsehen und handeln, so sein eindringlicher Appell. 

Kinder seien die unschuldigsten Wesen "und sie sind überdies vollkommen schutzlos und darauf angewiesen, dass andere ihre Würde und ihr Lebensrecht wahren", so Picken. "Kinder brauchen Liebe und Anerkennung der erwachsenen Welt, auch die Förderung ihrer Begabungen. Wenn ihnen das nicht zugestanden wird, bedeutet das großes Leid, das ihr Leben nachhaltig beschwert." Gleichwohl geschehe es immer wieder, dass ihre Würde und ihre Rechte verletzt würden.

Welche Auswirkungen gesellschaftliche Entwicklungen, politische Entscheidungen und wirtschaftliche Strategien für die Schwachen haben könnten, sei meist nicht im Blick. Ihr Nachteil und ihr Leid würden in Kauf genommen und ignoriert. "Fast immer sind es dann zuerst die Kinder, die darunter zu leiden haben", stellt der Stadtdechant fest. Ihre Interessen würden übersehen - weil sie keinen Widerstand leisten und keine Stimme erheben könnten. 

Dies zeige sich auf verschiedenen Ebenen. Es könne bedeuten, dass ihnen das Lebensrecht verweigert würde. "Es bleibt eine große Tragik – das wird niemand bestreiten wollen – dass in unserem Land so viele Kinder nicht das Licht der Welt erblicken, weil sie abgetrieben werden." Das treffe allein in Deutschland jährlich mehr als 100.000 Ungeborene. Schuldlos, so Picken, verlieren sie ihr Leben. "Nicht anders ist das mit den vielen kleinen Geschöpfen, die weltweit an Hunger sterben", führt Picken aus. Statistisch gesehen eines alle zehn Sekunden.

Stetig stiege außerdem die Zahl der Kleinkinder, "die in unserem Land durch die sozialen Umständen psychisch und körperlich beeinträchtigt sind". In einigen Teilen der Bundesrepublik sei beinahe jedes fünfte Kind von Kinderarmut betroffen und finde darüber hinaus "keinen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Förderung". Diese scheine man hinzunehmen. "Jedenfalls ließe sich nicht feststellen, dass in den letzten Jahrzehnten politische Mechanismen entwickelt worden wären, die dem wirksam entgegensteuern würden", so Picken.

"Auch erleiden unzählige Kinder physische und psychische Gewalt, unfasslicher Weise auch im Raum der Kirche", heißt es in dem Podcast. 4100 Fälle von Missbrauch an Minderjährigen melde die Polizeistatistik allein für das Jahr 2019. Zudem hätten überall auf der Welt Kinder die Folgen von Krieg und Terror auszuhalten. "Das Kinderhilfswerk UNICEF spricht davon, dass fast 29 Millionen Kinder gegenwärtig sich auf der Flucht befinden." Dass man in manchen Regionen nicht davor zurückschrecke, Kinder als Soldaten zu rekrutieren, "ist so bekannt wie erschreckend". 

Die Liste, so Picken, ließe sich unendlich weiter fortsetzen. "Und immer sind es keine Zahlen sondern menschliche Schicksale. Wir sprechen von unbeschreiblichem Leid und Elend, von Tränen und Schmerzen, von Verletzungen, die ein Leben lang nachwirken." Es gehe um brutale Entwürdigung und Kinderarbeit, um Quälerei und Tötung. "Könnten alle Kinder – so sagt ein Lebensrechtler – die gegenwärtig auf dieser Erde zu leiden haben, gleichzeitig schreien, niemand könnte das überhören und ertragen." Aber das Leid vieler Kinder sei still und stumm "und das Leben unserer Zeit laut und unsensibel".