Podcasts des Stadtdechanten:Kinderarmut und Misshandlung

Schon häufiger hat sich Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken in der Vergangenheit mit den Themen Kindeswohl, Misshandlung oder Sexualisierte Gewalt geäußert.
Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken beim Festhochamt
Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken beim Festhochamt
Datum:
6. Juli 2020
Von:
Ayla Jacob

Schon mehrfach hat sich Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken in der Vergangenheit zu den Themen Kindeswohl, Misshandlung oder Sexualisierte Gewalt geäußert. So auch in drei Beiträgen im Juli und Dezember 2020.

 

• Da hilft nur noch der Glaube an Gott (Podcast vom 16. Dezember 2020): In diesem Podcast beschäftigte sich Picken mit der Frage, inwiefern Religion im alltäglilchen Leben noch eine Rolle spielt. Denn das aufgeklärte Zeitalter, so Picken, bemühe sich, das Religiöse aus dem öffentlichem Raum zu verdrängen. Eine Entwicklung, an der die Kirche nicht unschuldig sei. Durch Skandalserien marginalisiere sie sich selbst und löse säkulare Gegenreflexe. "Gerade in diesen Tagen löst es unangenehme Gefühle aus, mit Kirche identifiziert zu werden", so Picken. Man schäme sich für den Umgang mit Macht "und eine Historie der Vertuschung, die bis in das aktuelle Tagesgeschehen hineinreicht". Fassungslos stehe man vor den Schilderungen, "die Untersuchungen oder Opfer selbst von dem bieten, was ihnen als Kindern an sexuellem Missbrauch geschehen ist. Die meisten Darstellungen sind so fürchterlich, dass einem schon beim Lesen körperlich übel werden muss."

Man frage sich, wie Christen, wie Menschen, die als Kleriker leben, so etwas tun können. Es lasse einen fassungslos zurück, da es darauf keine Antwort gebe. "Beschämt und voller Mitleid mit den Opfern, auch wütend gegenüber den Tätern und denen, die ihre Machenschaften vertuscht haben." So würden Zweifel gesät. Und die Frage aufgeworfen, "ob das mit dem Glauben an Christus so richtig sein kann, wenn er zu solchen Ergebnissen führt". Da gerate gar der gläubigste Mensch ins Wanken. Man müsse respektieren, wenn einige dem Glauben an Gotte den Rücken kehrten. "Das ist eine tragische Folge des Missbrauchsskandals, dass nicht wenige darüber ihren Glauben verlieren", stellt der Stadtdechant fest. Und schlägt einen anderen Weg ein: Schaue man auf das menschliche Versagen innerhalb und außerhalb der Kirche, "dann hilft nur der Glaube an Gott, wenn es eine Hoffnung auf Frieden, Gerechtigkeit und Heilung geben soll. Wir Menschen, wir Kirche allein schaffen das nicht". 

Der Podcast vom 16. Dezember zum Nachhören.

 

• Coronakrise und Missbrauchsskandal (Podcast vom 15. Dezember 2020): Wir erleben gravierende Krisen, so der Stadtdechant in seinem Podcast vom 15. Dezember 2020, "die die Existenz des Menschen und auch unseres kirchlich gebundenen Glaubens in Frage stellen". Die Maßnahmen gegen Corona und die staatlichen Hilfen bestimmten das Nachrichtengeschehen, die Erwartung vieler Bürger sei, dass alles möglichst schnell und ohne größere Wirkung behoben werde. Jeder diskutiere mit - ein Recht eines jeden Bürgers in einer Demokratie. Ein erneuter Lockdown behage niemandem. "Was auffällt ist aber, dass diese bedrängende Lage zu weiten Teilen lediglich technisch abgehandelt wird. Wir organisieren die Krise und bewältigen sie trotzig mit einer nie dagewesenen wirtschaftlichen Kraftanstrengung", stellt Picken fest. 

ebenso sei es mit der Krise in der Kirche. "Der Missbrauchsskandal erschüttert bis in die Fundamente. Allenthalben beobachtet man Entsetzen und Vertrauensverlust." Auch hier werde gegen die Problemlage gekämpft, Gutachter und Rechtsanwälte bemüht.  "Hier werden Details der Taten bekannt, die einen fassungslos hinterlassen, dort werden die Namen von Verantwortlichen genannt oder nicht genannt, jedenfalls scheint es so oder so folgenlos für die Betreffenden zu bleiben", sagt Picken.

Die Haltung in Kirche und der Gesellschaft in unverkennbar krisenhaften Zeiten wirke oberflächlich und in gewisser Hinsicht unbelehrbar. "Wir machen irgendwie so weiter wie bisher: Business as usual." Es sei kaum auszumachen, dass diese Krise genutzt werde, "um unsere Lebenskultur und unsere Form, als Menschen vor Gott zu leben, in Frage zu stellen". Was müsse noch geschehen, fragt Picken, "bis die Selbstgefälligkeit in Gesellschaft und Kirche so weit erschüttert ist, dass eine wirkliche Besinnung einsetzt und der Mensch unserer Tage bereit ist, demütig in die Knie zu gehen".

Der Podcast vom 15. Dezember 2020 zum Nachhören

 

• Kinderarmut und Misshandlung (Podcast vom 6. Juli 2020): Am 6. Juli erinnerte der Stadtdechant an Maria Goretti - 1890 geboren, mit zwölf Jahren ermordet. Von einem wenig älteren Jungen, der sie als etwas Minderwertiges ansah und sich daher das Recht herausnahm, sie vergewaltigen zu wollen. Sie setzte sich zur Wehr - was ihren Tod bedeutete. Doch bevor sie starb, verzieh sie ihrem Mörder. Ihren Todestag nahm Picken zum Anlass, in seinem Podcast dazu aufzufordern, nicht wegzusehen, nicht zu ignorieren, was vielerorts passiert. Sondern vielmehr die augen aufzuhalten, um Kinderarmut und Missbrauch zu verhindern. Und diejenigen zu unterstützen, die diesen den Kampf angesagt haben.

Der Podcast vom 6. Juli 2020 zum Nachhören