Trauerfeier für Wolfgang Clement:„Gestalten, um nicht gestaltet zu werden“

Im engsten Kreis nehmen Familie und Freunde Abschied von Wolfgang Clement. Trauerfeier mit Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken
Trauerfeier für Wolfgang Clement
Trauerfeier für Wolfgang Clement
Datum:
2. Okt. 2020
Von:
Ayla Jacob
Trauerfeier für Wolfgang Clement
Trauerfeier für Wolfgang Clement

Es war eine sehr persönliche, von viel Liebe und Zusammenhalt geprägte Trauerfeier, mit der der engste Familien- und Freundeskreis von Wolfgang Clement Abschied genommen hat. Neben der Ehefrau, dem Bruder, den fünf Töchtern, Schwiegersöhnen und 13 Enkeln waren auch enge Freunde und Weggefährten in die Kirche Sankt Evergislus nach Plittersdorf gekommen, um den ehemaligen NRW-Ministerpräsidenten und Bundesminister auf seinem letzten Weg zu begleiten. Darunter Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Ex-Ministerpräsident Peer Steinbrück sowie der ehemalige Innenminister Otto Schily. Wolfgang Clement war am 27. September im Alter von 80 Jahren verstorben.

Clement war ein Mann, der tiefe Spuren im Leben seiner Familie, seiner Freunde und Weggefährten hinterlassen hat – beruflich wie privat. Das wurde bei der Trauerfeier deutlich. In jeder Aussage, jeder Fürbitte, jeder Rede und jedem Gestus war erkennbar, wie eng die Bindung gewesen war. Und wie eng sie auch über den Tod hinaus bleiben wird. So richteten seine fünf Töchter in individuellen Liebeserklärungen den Blick auf den Vater, den Freund und Berater.

In seiner Predigt würdigte Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken den Politiker, der die Katholische Kirchengemeinde in Bad Godesberg und die Bürgerstiftung Rheinviertel stets engagiert unterstützt hat. „Wir alle sollen das Leben nicht geschehen lassen, sondern in die Hand nehmen und gestalten“, so der Stadtdechant. Dies habe sich Clement zur Maxime gemacht. „Gestalten, um nicht gestaltet zu werden“, seien dessen eigene Worte gewesen, die sein Enkel festgehalten hat. Dies habe er stets befolgt – als Journalist habe er das politische Geschehen aufmerksam begleitet und kritisch kommentiert, als Politiker die Verantwortung selbst in die Hand genommen. Innovativ und durchsetzungsstark, „mit großer Energie und einem hohen Maß an Zuverlässigkeit“.

„Die Welt gestalten und eine Demokratie mit Leben erfüllen, verlangt die Bereitschaft zum Streit und zur Konkurrenz der Meinungen“, so Picken. Darauf habe sich Clement verstanden. „Mit klarer, schnörkelloser Sprache, gewandt und pointiert.“ Er sei stets für seine Überzeugungen eingetreten, dabei auch deutlich geworden. „Aber er suchte dann meist anschließend den Ausgleich und besaß auch die Größe für ein Wort der Entschuldigung.“ Sich selbst verraten oder sich manipulieren zu lassen, sei für ihn nicht infrage gekommen. „Dazu konnte ihn weder die Autorität einer einzelnen Person, noch die Macht einer Partei bewegen“, sagte der Stadtdechant.

Und dann ging er noch auf den Privatmenschen Clement ein. Der seine Familie einst als „Staat im Kleinen“ bezeichnet hat. Und der mit viel Liebe, viel Leidenschaft, treu und aufmerksam an der Seite seiner Frau stand. Der stolz auf seine Töchter, Schwiegersöhne und Enkel war. Stets präsent, stets unterstützend. „Immer war er um sie alle in Sorge, darum bemüht, dass es ihnen an nichts fehlt und bestrebt, nichts zu versäumen, was in ihrem Leben Bedeutung besitzt“, so Picken. Er begegne als Priester vielen, er erlebe vieles. „Aber ihre familiäre Gemeinschaft und der Zusammenhalt, der besonders auch die letzten Wochen seines Lebensweges ausgemacht hat, waren so einmalig wie besonders.“ Alle seien da gewesen, als Clement sie gebraucht habe. „Das war eine große Bestätigung für das, was er mitgestaltet hatte: seine Familie. Er konnte deshalb in großer Zufriedenheit Abschied nehmen.“