Musik am Bonner Münster:Freude über jeden Schritt, „der das Münster wieder zurückerobert“

Regional- und Münsterkantor Markus Karas über die Zeit der Lockdowns während Corona und seine musikalischen Pläne für die Zeit nach den Sommerferien.
Markus Karas
Markus Karas
Datum:
6. Aug. 2021
Von:
Antonia Wojaczek

Seit vergangenem Jahr haben Lockdowns während der Corona-Pandemie das Leben aller immer wieder eingeschränkt. Auch die Kultur war davon betroffen: Konzerte, Theateraufführungen oder Ähnliches konnten kaum wie gewohnt stattfinden. Regional- und Münsterkantor Markus Karas erzählt, wie er die letzten Monate erlebt hat und gibt einen Ausblick auf kommende musikalische Veranstaltungen am Bonner Münster und worauf er sich persönlich am meisten freut.

Wiedereinbau der großen Klais-Orgel und Gründung eines Jugendchores

„Große Vorfreude bereitet mir – nicht nur als Münsterorganist, sondern auch als examinierter Konzertorganist – der Wiedereinbau der Klais-Orgel des Bonner Münsters“, so Karas. 
Ab Herbst 2021 bis Ostern 2022 werden im Zuge der Generalsanierung der Müsnterbasilika 70 Register wiedereingesetzt werden, bis dann in der Osternacht 2022 die Orgel in ganz neuem Glanz erstrahlen und vor allem erklingen wird. Wenn dann an Ostersonntag traditionsgemäß die C-Dur-Messe von Beethoven gespielt werden wird, schlägt Karas‘ Herz noch höher.

Ein weiteres zentrales Anliegen sind für Karas seine Chöre. Der Nachwuchs dafür stagniere zwar, es müsse aber trotzdem mehr Werbung gemacht werden. Wer Lust und Spaß am Singen und Interesse hat, in einem der Münsterchöre mitzusingen, kann sich gerne direkt bei Markus Karas (markus.karas@bonner-muenster.de) melden. Chorerfahrung ist gewünscht, ein Vorsingen ist allerdings nicht nötig.
Mit drei neu gekauften Messen, einer romantischen und zwei zeitgenössischen, die nicht zu schwer sind, wird der Einstieg ins Chorsingen leichter. „Melodien fürs Herz“ werden eingeübt werden, die den Raum des Münsters musikalisch ausfüllen werden.
Die vier Erwachsenen-Chöre steigen ab Herbst wieder in voller Stärke in die Probenarbeit ein, in Vorbereitung auf die Auftritte in den Gottesdiensten in der zweiten Hälfte von 2021. Außerdem ist die Gründung eines Kinder- und Jugendchores nach den Sommerferien in Planung, der dann die Chorfamilie des Bonner Münsters komplettieren wird.

Im weiteren Verlauf des Jahres steht das Stadtpatronefest an, das auch aus musikalischer Sicht vorbereitet werden muss. 
Zur Advents- und Weihnachtszeit schließlich wird ein neues Format eingeführt werden, dessen Termin man sich schon einmal vormerken sollte. Geplant ist „ein offenes, von mir moderiertes Singen mit Blechbläsern im Advent an allen vier Adventssamstagen um 16 Uhr im Münster“, erzählt der Münsterkantor.

Auch trotz Corona gab es alle Hände voll zu tun

Anders als man denken könnte, gab es während der Corona-Beschränkungen für Markus Karas sehr viel zu tun. „Da die Sonntagsgottesdienste seit März 2020 fast durchgängig online gestreamt worden sind, war eine wesentlich intensivere Vorbereitung als sonst nötig“, so der Kirchenmusiker. Weil es keinen Gemeindegesang mehr geben durfte, kamen Vokal- und/oder Instrumentensolisten zum Einsatz, die das Orgelspiel begleiteten. Dafür fanden Zusatzproben statt. Außerdem musste wegen der Corona-Verordnungen alles zeitlich noch mehr durchstrukturiert sein und alle Beteiligten detaillierte Ablaufpläne zur Hand haben. Die Chöre des Bonner Münsters waren dabei auch immer wieder präsent – wenn auch nur in sehr kleiner Besetzung. Online-Proben über Zoom oder Präsenzproben mit Maskenpflicht und Abstand machten dies möglich. Als im Sommer die Gottesdienste Open Air im Garten der KHG gefeiert wurden, musste auch hier anders geplant werden, da statt der Orgel andere Instrumente zum Einsatz gekommen sind.
Außerhalb der Sonntagsgottesdienste wurden im Mai die Ökumenischen und Interreligiösen Abendgebete musikalisch untermalt, bei denen es an Herrn Karas lag, für die jeweilige Religionsgemeinschaft passende Musik zu finden. Weiterhin gab es die Themenpredigten des Stadtdechanten Dr. Wolfgang Picken zu Themen wie Rassismus, Missbrauch, Demokratie und Umwelt. Auch hier mussten literarisch und musikalisch geeignete Stücke gesucht werden. In den Wintermonaten von November bis Januar gab es zudem die „Geistliche Atempause“, die noch zusammen mit Msgr. Prof. Wolfgang Bretschneider gestaltet werden konnte: Ein Format, in welchem durch „viel Musik mit geistlichen Texten, Gebeten, Zuspruch und Segen“ den Menschen Ruhe, Mut und neue Kraft gegeben werden sollte.

Ob aktiv zum Beispiel als Chormitglied oder passiv als Gottesdienstbesucher – die kommende Zeit am Bonner Münster wird musikalisch vielfältig und hält spannende Projekte und Veranstaltungen für jeden bereit.