Der Podcast des Stadtdechanten:Forderung nach totaler Transparenz und Konsequenz

Der Podacast "Die Stimmung ist am Tiefpunkt - Es hilft nur totale Transparenz und Konsequenz" im Wortlaut - und zum Nachhören
Der Podcast des Stadtdechanten
Der Podcast des Stadtdechanten
Datum:
11. Jan. 2021
Von:
Ayla Jacob

Irgendwie hat man genug davon. Die ständigen Schlagzeilen zum Skandal um die Aufklärung des Missbrauchs in der Kirche von Köln nehmen kein Ende. Längst muss klar sein, der Grund dafür ist nicht vornehmlich, dass eine kritische Medienöffentlichkeit Interesse daran hat, die Kirche anzugreifen und ihr zu schaden. Es ist die Kirche selbst, die die Grundlagen bietet und durch unprofessionelles Krisenmanagment immer neue Anlässe liefert. Sie halten den Skandal am Kochen und eskalieren ihn weiter.

Dass Journalisten und mit ihnen eine geneigte Öffentlichkeit nicht mehr glaube können, dass es gute Gründe dafür geben könnte, weshalb man nun ein zweites Mal ein- und dasselbe Gutachten zurückhält, ist absolut nachzuvollziehen. Ebenso kann man verstehen, dass die Mehrheit vermutet, es handle sich um einen Akt der Vertuschung. Wer würde schließlich annehmen, dass eine Kanzlei, die im Übrigen für andere Bistümer zufriedenstellend gearbeitet hat, so unprofessionell tätig wird. Wer würde erwarte, dass das Erzbistum Köln ein Jahr zusieht, obwohl sie schon länger erhebliche Zweifel an der Seriosität des Gutachtens hat, um dann mit den Folgen eines solch öffentlichen Skandals dieses Gutachten unter Verschluss zu halten und ein Neues zu beauftragen? Ich glaube dem Bischof, dass er es mit der Aufklärung ehrlich meint, aber er wird auch verstehen müssen, wieso es vielen schwer fällt, das so anzunehmen.

Warum nicht das persönliche Gespräch suchen?

Jedem im Erzbistum Köln musste klar sein, dass der Erzbischof von Köln, der eine besonders rücksichtslose und umfassende Aufklärung angekündigt hatte, umso mehr unter dem kritischen Blick der Medien stehen würde. Unglaublich, dass man den Erzbischof sehenden Auges in diese Krise manövriert hat und seit Wochen immer neue Schlagzeilen liefert, die die Lage eklatant verschlechtern.

Die mehr als unglücklichen Worte der Entschuldigung des Kardinals am Heiligen Abend, die vermutlich gut gemeint waren, aber eben vollkommen gegengesetzt gewirkt haben. Die Zusammenkunft von Journalisten in Köln, um sie in das zurückgehaltene  Gutachten Einblick nehmen zu lassen und der daraus entstehende Eklat, weil die eingeladenen Redakteure ablehnten, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen. Auch das ein sicher gutgemeinter Versuch, den Kontakt zu den Journalisten herzustellen und Vertrauenzu gewinnen, der aber schief gehen musste, weil sich die Medienvertreter in ihrer Berufsehre angegriffen sahen. Schließlich die schriftliche Abmahnung des Bischofs an einen Priester, der ihn zum Rücktritt aufgefordert hatte , und die dann bundesweit Schlagzeilen machte. Man mag nachvollziehen, dass ein Bischof eine solch scharfe Forderung durch einen Mitarbeiter als Verrat an der gebotenen Loyalität auffasst – das wäre in jedem Unternehmen nicht anders – aber wie kann man in dieser aufgeheizten Atmosphäre schriftliche Mahnungen versenden, statt das persönliche Gespräch zu suchen. Keiner wundert sich, dass Medien das mit den entsprechenden Kommentaren aufgreifen: Der Erzbischof bedroht kritischen Pfarrer. Dass man dann wenig später, wieder schriftlich, die Ermahnung zurückgenommen hat, konnte zwar Druck nehmen, unterstreicht aber nicht einmal, dass Fehler gemacht wurden und es keine Gesamtstrategie gibt. In der Summe frage man sich, wer berät den Bischof? Wie kommen in dieser Angelegenheit und auch im Suchen nach pastoralen Perspektiven Entscheidungen zustande? Aber wichtiger noch: registriert jemand, welche Folgen das hat und dass es so nicht weitergehen kann?

Krisenmodus erschüttert Gemeinden zusätzlich

Fest steht, dass die Gemeinden dieser Krisenmodus zusätzlich erschüttert und das betrifft längst viele Regionen Deutschlands. Man merkt, dass es den Leuten unter die Haut geht und sie extrem bedrückt sind. Die Stimmung im Erzbistum Köln war noch nie so auf dem Tiefpunkt wie gegenwärtig. Es muss dringend ein Weg aus dieser großen Glaubwürdigkeitskrise und Lethargie gefunden werden, sonst befindet sich die Kirche im freien Fall.

In der gegenwärtigen Lage kann es deshalb nur totale Transparenz geben und ihr muss totale Konsequenz folgen. Am 18. März wird in Köln das neue Gutachten veröffentlicht werden. Das wird hoffentlich vollständige Transparenz herstellen. Allerdings ist dann das Thema nicht vom Tisch. Es muss systematisch aufgearbeitet werden und zieht unmittelbar die Frage nach sich, welche Konsequenzen auf diejenigen zukommen, die in dem Gutachten als die Verantwortlichen für vielfaches Vertuschen genannt werden. Darauf werden die Menschen genau schauen. Wenn nicht klare Konsequenzen folgen, bleibt der Glaubwürdigkeitsverlust dauerhaft.

Allerdings stellt sich jetzt schon die Frage, warum die Verantwortlichen, denen doch bewusst sein muss, dass sie sich schuldig gemacht haben, auf die Veröffentlichung eines Gutachtens warten, anstatt sofort selbst tätig zu werden und die Konsequenzen aus ihren Fehlern zu ziehen. Sie würden weiteren Schaden von der Kirche abwenden und man würde es auch von Priestern und ihrer Gewissenserforschung erwarten. Dass sie es nicht tun, stärkt die Befürchtung, sie würden darauf hoffen, irgendwer könnte sie schützen oder ihre Haut retten, oder aber es würde gelingen, im allgemeinen Durcheinander sich wegzuducken und abzutauchen.

Wo sich Verantwortliche so verhalten, demontieren sie die Glaubwürdigkeit der Kirche weiter und machen jeden Neuanfang unmöglich. Nur wenn der Tisch rein und das Kapitel überzeugend abgeschlossen ist, auch für die Opfer, wird wieder Luft sein, sich der Gestaltung der Zukunft der Pastoral zuzuwenden. Vorher wird der Zweifel vorherrschen, ob es eine solche Zukunft geben kann. Die Luft ist dünn und wird immer dünner. Jetzt zählt jeder Tag und es gibt nur den einen Weg: totale Transprent und Konsequenz.