Trauerfeier für Msgr. Wolfgang Bretschneider:Ein österliches Leben voller Mut, voller Hoffnung und voll Vertrauen in Gott

Zahlreiche Mitbrüder, Weggefährten und Freunde nehmen Abschied von Monsignore Wolfgang Bretschneider. Trauerfeier mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki
Datum:
17. März 2021
Von:
Ayla Jacob

Es war eine ergreifende, würdevolle und festliche Trauerfeier, mit der zahlreiche Mitbrüder, enge Weggefährten, Musiker, Sänger und Freunde von Monsignore Prof. Dr. Wolfgang Bretschneider Abschied genommen haben. Der 79-Jährige, der 54 Jahre lang als Priester wirkte, war am 12. März verstorben. „Wir nehmen Abschied von einer der großen Priesterpersönlichkeiten unseres Erzbistums“, sagte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, der das Requiem feierte. 1978 habe er Msgr. Bretschneider mit seinem Eintritt ins Collegium Albertinum kennengelernt und sei seitdem mit ihm verbunden. Er sei ein Mann gewesen, „der im Herzen, im Geist, im Empfinden jung geblieben ist. Ein Mann, der unser Bistum geprägt hat“. Der viele Generationen von Priestern ausgebildet und begleitet habe – geistlich und musikalisch. So habe der Verstorbene auch ihm die Musik, das Singen nähergebracht, führte Woelki aus. „Er hatte immer ein Herz und eine Offenheit für junge Menschen. Er hat sich nie verschlossen, er hat immer in sein Herz und seinen Glauben hineinschauen lassen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er in einer Welt ist, die voller Harmonie ist. Wo es keine Misstöne mehr gibt.“

Monsignore Markus Bosbach: "Er hat weite Schatten geworfen"

In seiner Predigt würdigte Monsignore Markus Bosbach den Verstorbenen. Dass seine Worte österlichen Lesungen folgten, habe gar nicht anders sein können „bei einem, der so österlich war“, so Bosbach. Wie oft habe Bretschneider in Karten oder Andenken einen handschriftlichen Zusatz verwendet: „Bleib österlich“. Österlich: voller Mut, voller Hoffnung, voll Vertrauen in Gott. 2016 sei er dem Verstorbenen als Diözesanpräses für Kirchenmusik gefolgt. „Er hat weite Schatten geworfen, die ich aber als bergend und ermutigend empfunden habe.“ Immer sei er ermutigend gewesen, nie habe er die Fehler herausgearbeitet, sondern wertschätzend auf das gesehen, was gut war. Jeder habe vielfältige Erinnerungen über seine Zeit mit Msgr. Bretschneider beizutragen. Aber nichts, so Bosbach, könne einen Menschen ganz und gar fassen. Damit es doch in Teilen gelang, nahm der Domkapitular ein Wort des Heiligen Thomas von Aquin „zu Hilfe, das Wolfgang Bretschneider sehr gut gefallen hat: Lauda Sion salvatorem“. Die zweite Hälfte der ersten Strophe fasse gut zusammen, was den Verstorbenen ausgemacht habe: „Was Du kannst, das wage.“ Dabei hingen Können und Kunst zusammen – auch im Leben von Msgr. Wolfgang Bretschneider. Dieser habe früh angefangen, sich Können anzueignen, nahm Orgelunterricht bei Hubert Brings, der sein väterlicher Freund wurde, so Bosbach. „Vielleicht hat ihn das inspiriert, später für viele ein väterlicher Freund zu werden. Treue, die Bereitschaft, beieinander zu stehen, hat ihn ausgemacht.“ Bis ins hohe Alter habe er alles ausprobiert, sei bereit gewesen, wachsen zu lassen. „Er wurde ein Lehrer für viele.“ Auch habe der bekannte Kirchenmusiker die Kirchenmusik in Deutschland nach vorne gebracht. Er habe gezeigt, dass diese „kein Randphänomen ist, sondern ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft“. Bretschneider habe die Liturgie geliebt und geschätzt, „weil er hier Gott von innen ergreifen konnten“. In der Musik habe sich ihm die Schöpferkraft Gottes mitgeteilt.  

Aufgrund der unvergleichbaren Verbundenheit des Verstorbenen mit der Basilika Sankt Martin hat Münsterpfarrer und Stadtdechant Dr.  Wolfgang Picken entschieden, dass der Verstorbene seine letzte Ruhestätte in der Gruft im Kreuzgang des Bonner Münsters findet, die ansonsten den Münsterpfarrern und Stadtdechanten von Bonn vorbehalten ist. „Der Abschied von Wolfgang Bretschneider wird für viele, auch für mich selbst, eine schmerzliche Aufgabe sein. Ich habe mich ihm seit meinem Studium freundschaftlich verbunden gewusst. Sein Verlust tut weh. Er wird in den Erinnerungen vieler lebendig bleiben, als herausragende Priesterpersönlichkeit, als hochbegabter Musiker und virtuoser Organist, als feinsinniger Mensch und treuer Freund. Und wir vertrauen fest darauf, dass er nun in Gottes Händen geborgen ist“, sagt Bonns Stadtdechant.

Kaplan seiner Heiligkeit und Träger des Bundesverdienstkreuzes

Wolfgang Bretschneider wurde am 7. August 1941 geboren. Er wuchs in Bad Godesberg auf. Nach seinen Studien der Philosophie, Theologie, Musikwissenschaft und Pädagogik in Bonn und München – unter anderem bei Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI., Pontifikat 2005-2013) -, promovierte er in Musikwissenschaften und wurde ab 1987 Professor für Liturgik und Musikkirchengeschichte zunächst an der Universität in Düsseldorf und später an der Kölner Hochschule für Musik. Nach der Priesterweihe 1967 kam er zunächst zwei Jahre als Kaplan am Münster St. Quirin in Neuss zum Einsatz. Anschließend wurde er 1969 in die Priesterausbildung des Collegium Albertinum in Bonn berufen und blieb dort bis 1997 tätig. Von 1977 bis 2011 übernahm er zusätzlich eine Lehrtätigkeit am Kölner Priesterseminar. 1987 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum „Kaplan seiner Heiligkeit“. 2003 empfing er das Bundesverdienstkreuz. Seit 1997 wirkte es als Subsidiar am Bonner Münster. Er verstarb am 12. März 2021.