Bonner Erklärung zu Moria:Bonns Ratsfraktionen und Kirchen sichern Unterstützung zu

Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken dankt Oberbürgermeister Ashok Sridharan für Initiative
Datum:
18. Sep. 2020
Von:
Ayla Jacob

Am Freitagnachmittag hat sich Oberbürgermeister Ashok Sridharan mit den Sprechern aller Ratsfraktionen sowie den Vertretern der Bonner Kirchen und ihrer Verbände getroffen, um über die Aufnahme von obdachlosen Moria-Flüchtlingen in Bonn zu sprechen. Mit dabei war auch Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken, der am Mittwoch gemeinsam mit Superintendent Dietmar Pistorius, Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider und Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher eine Stellungnahme abgegeben hatte, in denen sie eine klare Aussage zu diesem Thema gefordert hatten. Dem war der OB nachgekommen.

Sridharan erklärte in der nicht-öffentlichen Sitzung, dass man – werde man der Bilder aus Moria gewahr – nicht anders könne, als zu reagieren, berichtete Dr. Picken aus der Sitzung. Sridharan vertrete die Auffassung, dass die Stadt Bonn etwas tun solle. Er habe der NRW-Regierung bereits schriftlich die Unterstützung Bonns bei der Aufnahme von Geflüchteten zugesichert. Ähnliches beabsichtige er nun gegenüber der Bundesregierung in Berlin zu tun. Dies sehe er von der Ratsentscheidung „Sichere Häfen“ gedeckt. Der OB habe betont, so Picken, dass man in Bonn durch die Unterstützung von Bürgern, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen sehr gute Erfahrungen mit der Integration von Geflüchteten gemacht habe. Gleichzeitig sei dem OB in Übereinstimmung mit allen Parteien wichtig gewesen, dass dieses Thema nicht zum Wahlkampf genutzt würde. "Das Feingefühl der anwesenden Parteien, die Notlage der Menschen auf Moria nicht für den Wahlkampf zu instrumentalisieren, empfinde ich als beeindruckend und bemerkenswert", so Picken.

Stadtdechant Dr. Picken merkte in der Gesprächsrunde an, dass die zurückliegende Bonner Rats-Erklärung zu den "Sichere Häfen" nicht ausreiche, um die nötige Solidarität mit den obdachlosen Geflüchteten nach dem verheerenden Brand auf Lesbos zum Ausdruck zu bringen. "Für diese Tragödie braucht es eine eigene Erklärung." Dieser Vorschlag fand die Zustimmung des Oberbürgermeisters und beinahe aller Fraktionen des Rates. Lediglich  zwei Parteien lehnten ihre Beteiligung an einer gemeinsamen Erklärung ab. Entsprechend wird Anfang der kommenden Woche der Wortlaut einer gemeinsamen Erklärung abgestimmt. Diese wird beinhalten, dass Bonn bereit ist, Geflüchteten aus Moria zu helfen und sie aufzunehmen. 

Die Kirchenvertreter bewerten das Ergebnis des Treffens positiv. "Ich bin sehr zufrieden, dass es uns mit unserer gemeinsamen Initiative gelungen ist, eine deutliche Mehrheit in Politik und Stadt für den Einsatz für die Geflüchteten aus Moria zu gewinnen", stellte Superintendent Pistorius fest. "Die jetzt abgestimmte Verfahrensweise ist angemessen. Es wird eine Bonner Erklärung geben, in der Solidarität mit den Flüchtlingen aus dem abgebrannten Lager Moria gezeigt wird und Bonn seine Bereitschaft artikuliert, bei der Aufnahme von Betroffenen zu helfen. Ein solches Zeichen der Humanität und Nächstenliebe steht Bonn gut zu Gesicht", stellte Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken fest. In der Erklärung würden keine Zahlen genannt, aber zum Ausdruck gebracht werden, dass Bonn sich je nach Notwenigkeit an den Hilfsmaßnahmen beteiligen werde.