Abschluss der Festwoche zum Stadtpatronefest:"Wir fallen nicht!"

Stadtpatronefest geht mit Festhochamt im Kreuzgang des Bonner Münsters und einer Jugendmesse zu Ende. Mehr als 1000 Gläubige gedachten vom 3. bis zum 10. Oktober der beiden Märtyrer Cassius und Florentius
Festhochamt zum Abschluss der Festwoche
Festhochamt zum Abschluss der Festwoche
Datum:
10. Okt. 2021
Von:
Ayla Jacob

Mit einem Festhochamt im Kreuzgang des Bonner Münsters und der abendlichen Jugendmesse ist die Festwoche anlässlich des Stadtpatronefestes zu Ende gegangen. Nicht nur, dass die Büsten der beiden Märtyrer Cassius und Florentius nach vier Jahren von St. Remigius ins Bonner Münster zurückgekehrt sind. Im Zuge des diesjährigen Stadtpatronefestes wurde außerdem die restaurierte Krypta wieder eröffnet. „Es war eine bewegende Teil-Rückkehr in unsere Basilika“, blickt Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken auf die Festwoche zurück.

Cassius und Florentius als Vorbilder

In seiner Predigt stellte Picken erneut die beiden Märtyrer in den Fokus. Indem sie selbst den Tod nicht fürchteten und ihr Leben hingaben für den Glauben, seien sie ein Vorbild für festes Gottvertrauen. Doch woher stammte diese Kraft, die die beiden Heiligen nicht hat wanken lassen? Wie kann man solch eine Glaubensüberzeugung leben wie es Cassius und Florentius taten? Die Antwort sei im Kreuz zu finden, so Picken.

Vor allem in der heutigen Krise der Kirche sei es immer schwerer, als Christ beständig zu sein. Man stehe täglich vor der Herausforderung, dass man sich in seinem Glauben „zu Teilen in die Ecke gedrängt fühle“ und sich in einen „Rechtfertigungsdruck“ gebracht sehe. 
Das Gedenken an die Stadtpatrone und der Blick auf das Kreuz seien hier Stütze und Hilfe: Nicht nur den Glauben für sich zu festigen, sondern vor allem auch eine „Ausstrahlung zu entwickeln“, die innere Freude darüber zeige, Christ sein zu können und zu dürfen, seien erstrebenswerte Ziele.

Das Kreuz zeige zwar einen mit ausgestreckten Armen festgenagelten Jesus Christus, trage aber gleichzeitig eine tröstende und feste Symbolik mit sich. „Gott öffnet die Arme für uns Menschen“, so der Stadtdechant. Es stehe für die große und beständige Liebe Gottes zu den Menschen. In unserem Alltag sehen wir uns immer mit Zweifeln konfrontiert, Gott aber möchte diese Zweifel auffangen und uns zeigen, dass wir aus Liebe geschaffen sind.

Die Angst um die eigene Existenz sei eine weitere fundamentale Furcht, die auf den Menschen laste. Dadurch werde eine innere Freiheit unmöglich und Unsicherheit bezüglich der eigenen Wertschätzung sei die Folge. Das Kreuz wirke dem entgegen und stelle klar, dass Gott im Augenblick unseres Todes uns auffange und uns die Sicherheit gebe: „Wir fallen nicht!“

Ein Herz erfüllt von Liebe und Leben

Ein Satz seines geistlichen Begleiters habe Picken sehr geprägt: „Dein Glaube kann nur stark sein, wenn dein Herz sich füllt mit Liebe und Leben.“. Dies sei auch die zentrale Botschaft des Kreuzes. Durch ein erfülltes Herz würden wir innerlich frei und seien fähig dazu, diese Liebe auch an andere weiterzugeben – Nächstenliebe wahrhaftig zu leben. Im Kreuz erhielten wir die Sicherheit, dass uns die größte Liebe – Gottes Liebe – zuteil werde, wir sie verinnerlichen und dann in die Welt hinaustragen können.
Dies haben auch Cassius und Florentius getan. Sie haben die kraftgebende Liebe Gottes auf- und angenommen. Somit konnten sie sogar ihr eigenes Leben, ihre eigene Existenz, ohne Furcht hingeben. Mit den beiden Heiligen als Vorbild, müssten wir uns keine Sorgen um die Zukunft der Kirche machen, wenn unsere Herzen ebenso voller Liebe seien, schloss Picken.

Vom 3. bis zum 10. Oktober dauerte die Festwoche, in der mehr als tausend Gläubige der Stadtpatrone gedachten. Neben Gruppen und Einzelpilgern begingen auch viele Kindergartenkinder und Schüler den Geistlichen Pilgerweg durch den Kreuzgang zur Krypta. Gottesdienste, geistliche Impulse, Nightfever und musikalische Hommagen rundeten das Programm ab.

Nun steht ein weiterer (großer) Wiedereröffnungs-Schritt unmittelbar bevor, und zwar am Sonntag, 31. Oktober. Dann wird der Kirchraum mit einem Festhochamt ab 17 Uhr liturgisch eröffnet, mit dabei sind neben dem Stadtdechanten auch Kreis- und weitere Stadtdechanten aus dem Erzbistum, die Leitenden Pfarrer Bonns sowie die Seelsorger am Bonner Münster. Im Anschluss steht die Vernissage der Ausstellung „Licht und Transparenz“ auf dem Programm – gemeinsam mit der Stiftung Kunst und Kultur und der Deutschen Telekom.